ETF-Anlegerstudie 2025/26:

Warum viele Bankkunden nie auf ETFs angesprochen werden

Die ETF-Anlegerstudie Schweiz 2025 der Hochschule Luzern (IFZ) zeigt, wie sich ETFs im Schweizer Anlagegeschäft etablieren – und wo eine auffällige Lücke besteht: in der klassischen Bankberatung.

Eine Ergänzung, kein Ersatz

ETFs ersetzen bestehende Anlageformen bislang nur teilweise. 52 Prozent der ETF-Anleger investieren weniger als ein Viertel ihres Vermögens in ETFs, insgesamt halten 78 Prozent höchstens die Hälfte ihres Vermögens in ETFs. Für die Praxis heisst das: Es geht selten um „ETF oder klassische Anlage“, sondern um die richtige Einbindung von ETFs in ein bestehendes Portfolio – etwa zur kosteneffizienten Diversifikation oder als Kerninvestment.

Die zentrale Zahl: 82 Prozent werden von der Bank nicht angesprochen

Besonders aufschlussreich ist ein Befund zur Beratungspraxis: 82 Prozent der bisherigen Nicht-ETF-Anleger wurden von ihrer Bank bislang nicht auf ETFs aufmerksam gemacht. Das betrifft überdurchschnittlich oft ältere Anlegerinnen und Anleger – also gerade jene Gruppe, die sich laut Studie stärker auf klassische Bankberatung verlässt und bei der Bankberater mit 41 Prozent die wichtigste Informationsquelle zu ETFs sind, wenn sie denn stattfindet.

Diese Zahl lässt sich mit einer strukturellen Besonderheit klassischer Bankberatung erklären: Banken verdienen häufig an hauseigenen Fonds und Anlageprodukten mit – ETFs, insbesondere kostengünstige Indexlösungen, bieten dafür in der Regel weniger Anreiz.

Wo eine Depotstruktur-Prüfung ansetzt

In einer Pensionierungsplanung wird üblicherweise auch die bestehende Vermögensstruktur betrachtet: Depotstruktur, Liquiditätsreserven und der geplante Kapitalverbrauch im Ruhestand werden aufeinander abgestimmt. Bei einer honorarbasierten, unabhängigen Beratung – ohne Provisionen für bestimmte Produkte – fliesst diese Analyse ohne Interessenkonflikt in die Empfehlung ein. Ob ein bestehendes Portfolio besser strukturiert oder um kosteneffiziente Instrumente wie ETFs ergänzt werden könnte, ist dann eine Frage der Faktenlage, nicht der Vertriebsvorgabe.

Jüngere und ältere Anleger, unterschiedliche Kanäle

Die Studie zeigt zudem, dass sich Alterskategorien in ihrem Informationsverhalten deutlich unterscheiden. Jüngere ETF-Anleger (59 Prozent der ETF-Anleger sind unter 45) informieren sich vor allem über Bekannte, Finanzportale und Finanzblogs; Bankberater spielen mit 19 Prozent eine untergeordnete Rolle. Bei älteren Anlegern dominieren dagegen Bankberater (41 Prozent) und Presse (35 Prozent).

Fazit

Für Anlegerinnen und Anleger, die eine Pensionierung oder grössere Vermögensentscheidungen planen, lohnt sich ein nüchterner Blick auf die eigene Depotstruktur – unabhängig davon, ob die bisherige Bank das Thema ETF von sich aus angesprochen hat oder nicht. Die Studie legt nahe, dass dies bei rund vier von fünf bisherigen Nicht-ETF-Anlegern schlicht nicht geschehen ist.

Wer diese Frage für die eigene Situation einordnen möchte, findet die Rahmenbedingungen einer Pensionierungsplanung bei FOGEL GmbH im Überblick.

Quelle: Mattmann, B., Döhnert, K., Fausch, J. & Gattlen, A. (2025). ETF-Anlegerstudie Schweiz 2025. Hochschule Luzern, IFZ Retail Banking Blog.

https://www.hslu.ch/de-ch/hochschule-luzern/forschung/projekte/detail/?pid=6861